Helden wie wir

Ein Interview mit dem Regisseur und Drehbuchautor Randall Wallace.
© Andrian Kreye



Bekannt geworden ist Randall Wallace mit seinen Drehbüchern für “Braveheart" und “Pearl Harbor". “We Were Soldiers"ist nach “Der Mann mit der eisernen Maske" jetzt sein zweiter Film, bei dem er auch Regie führte. Mel Gibson spielt darin Oberstleutnant Hal Moore, der sich in der ersten großen Schlacht des Vietnamkrieges mit 400 Mann gegen die Vietcong verteidigen mußte. Der Film basiert auf dem Bestseller, den Moore zusammen mit dem Journalisten Joseph Galloway veröffentlichtes.

SZ: Warum haben Sie sich für ihr Regiedebut aus der Flut der Bücher über den Vietnamkrieg ausgerechnet ’We Were Soldiers' ausgesucht?

Randall Wallace: Weil es aus einem ganz anderen Blickwinkel geschrieben ist, als alle anderen Geschichten über den Vietnamkrieg. Es erzählt die Geschichte eines Offiziers, der seine Männer mit Integrität führte, mit Herz und Verstand. Es zeigt die menschlichen Kosten bei den Familien. Politisch war der Vietnamkrieg für Amerikaner eine einzige Frustration. “We Were Soldiers" betrachtet diese Familien jenseits aller politischen Fragen als Menschen. Was mich an dieser Geschichte aber ganz besonders gepackt hat ist, dass es hier keine Bösewichter gibt. In den meisten Vietnamgeschichten ist der Feind nobel und menschlich und die amerikanischen Truppen sind Schurken. Manchmal auch umgekehrt. In dieser Geschichte gibt es diese noble Menschlichkeit auf beiden Seiten.

SZ: Eine ganz objektive Heldengeschichte also. War Vietnam für Amerika nicht eigentlich das Ende des Heldentums?

Wallace: Natürlich war es das Ende der Unschuld unserer Generation. Wir waren ja mit dem Bild des amerikanischen Soldaten aufgewachsen, der gegen das Böse an sich kämpft.

SZ: Das glaubt man in Amerika doch spätestens seit dem Golfkrieg wieder.

Wallace: Das ist eine Grundtendenz jedes Menschen - sich als rechtschaffen und rein zu sehen, und die Fehler bei anderen zu suchen. Vietnam hat uns an unsere Grenzen erinnert. Trotzdem glaube ich, dass Amerika in Vietnam prinzipiell durchaus rechtschaffene Motive hatte. Ich rede nicht von den Politikern, sondern von all den Durchschnittsamerikanern, die der Überzeugung sind, dass uns unser Reichtum dazu verpflichtet, anderen, denen es nicht so gut geht, zu Hilfe zu kommen. John F. Kennedy sagte: ’Für die Freiheit bezahlen Amerikaner jeden Preis und nehmen jede Last auf sich'. Zu Beginn dachten wir eben, unser Engagement in Vietnam sei Teil dieses Idealismus.

SZ: Aus dem wirklichen Leben ist der Soldat als Heldenfigur allerdings verschwunden. Nach dem 11. September waren es die Feuerwehrmänner, die Polizisten und der Bürgermeister von New York, die zu historischen Helden erkoren wurden. Das hat sich auch mit dem Krieg in Afghanistan nicht geändert.

Wallace: Es ist nur menschlich, dass man sich etwas Naheliegendes sucht, mit dem man sich am ehesten identifizieren kann. Zu Feuerwehrmännern hat nun mal jeder einen persönlichen Bezug. Nach dem 11. September hätten wir jeden, der mit diesem Ereignis in irgendeiner Weise positiv verbunden werden konnte zum Helden gemacht. Genauso wie wir jeden, der aus Vietnam zurückkehrte als Schurken behandelten, egal was er getan hatte. Diese Männer hatten sich damals genauso als Helden bewiesen wie jeder andere Soldat. Aber für sie gab es eben keine Paraden, kein Willkommen, kein Danke.

SZ: Wallace und Moore haben lange gezögert, bis sie zustimmten, dass das Buch verfilmt werden darf. Warum?

Wallace: Ich weiß nicht, ob ich für sie sprechen kann, aber ich würde sagen, dass sie das Gefühl hatten, dass die meisten Vietnamfilme nichts mit dem zu tun hatten, was sie dort selbst erlebt hatten, und dass es neben den destruktiven Charakteren eben genauso positive Charaktere gab.

SZ: Wie haben sie auf den fertigen Film reagiert?

Wallace: Sie sind sehr still geworden. Sie haben geweint. Dann haben sie mich beide angesehen und sich bedankt.

SZ: Und wie denken Sie selbst darüber, wie die Filmgeschichte Vietnam behandelt hat?

Wallace: Oliver Stone hat für seine Zeit im Vietnamkrieg Orden bekommen. Er wurde dort verwundet. Egal ob man mit ihm einer Meinung ist oder nicht, sein Recht als Künstler, seine Erfahrungen zu verarbeiten sind absolut legitim. Ich glaube auch, dass seine Wut und sein Schmerz in erster Linie auf dem Tod seiner Kriegskameraden basiert.
Und Coppola ist einer der größten Filmemacher, ’Apocalypse Now' ist einer der großartigsten Filme aller Zeiten. Allerdings glaube ich, das er damit mehr über seine persönliche Perspektive erzählt hat. Davon abgesehen war die Romanvorlage von Joseph Conrads ’Herz der Finsternis' für den Film wichtiger als der Vietnamkrieg.

SZ: Wie sollen die Leute denn auf ’We Were Soldiers' reagieren?

Wallace: Für mich war die Herausforderung, dass Amerikaner Dankabarkeit dafür empfinden, was ganz normale Amerikaner in Vietnam geleistet haben, die eben keine Politik gemacht haben, sondern die dorthin geschickt wurden und ihre Aufgaben mit Würde und mutigem Herzen erfüllten.

SZ: Mit einem Heldenepos aus dem Vietnamkrieg werden sie in Europa aber derzeit auf kräftigen Gegenwind stoßen.

Wallace: Das glaube ich nicht. Weil es eben nicht um die politische Seite geht, sondern um Menschen. Seltsamerweise waren alle meine Filme in Europa und Asien erfolgreicher, als in Amerika. Vielleicht, weil die Werte dort traditioneller sind, und weil die moralischen und spirituellen Werte von Heldentum, Ehre und Opferbereitschaft dort mehr geschätzt werden.


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