Der Wolkenkratzer wird niemals sterben

Baulöwe Donald Trump über New York nach den Anschlägen und die Zukunft des Hochhausbaus
© Andrian Kreye



Seit dem Anschlag auf das World Trade Center werden die New Yorker Wolkenkratzer wie Hochsicherheitstrakte behandelt. In den Eingangshallen der Bürotürme müssen die Angestellten ihre Identität nachweisen; Pakete und Taschen werden durchleuchtet; die Gegend rund um die Vereinten Nationen wurde gleich ganz abgesperrt. Auch vor dem Trump Tower an der 5th Avenue, der mit seiner Einkaufspassage aus rosa Marmor, dem Rauchglas und den Messingbeschlägen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten für Shopping- Touristen gehört, stehen neuerdings Sicherheitsbeamte, die die Handtäschchen und Einkaufstüten der Besucher durchsuchen und strenge Fragen nach Ziel und Zweck stellen.

Wer in die oberen Etagen will, dem muss der Liftführer telefonisch die Anmeldung bestätigen lassen. Im 26. Stock residiert der Baulöwe Donald Trump, der dem Turm den Namen gab. Den Panoramablick über den Central Park im Rücken, einen Bodyguard vor der Türe, thront er hinter seinem Schreibtisch und verwaltet sein Imperium. Kein Bauherr hat so viele Wolkenkratzer gebaut wie Trump. Mit dem Trump Tower etablierte sich der Unternehmer aus Queens als Inbegriff der finanziellen und architektonischen Exzesse der 80er Jahre. Nach seiner spektakulären Scheidung von Ivana und einem furiosen Bankrott gelang dem 55-Jährigen in der zweiten Hälfte der 90er Jahre ein glanzvolles Comeback. Auf der Liste der reichsten Menschen der Welt der Zeitschrift Fortune wird Trumps Vermögen derzeit auf 1,8 Milliarden Dollar geschätzt.

In New York machte er in letzter Zeit auch wieder mit Bauprojekten Schlagzeilen - wie schon in den 80ern vor allem mit Wolkenkratzern, die das Stadtbild verändern: Am Columbus Circle eröffnete er das Trump International Hotel, und die Uno steht seit letztem Jahr im Schatten des schwarzen Glasmonolithen Trump World Tower. Letzten Juli machte “The Donald" mit Plänen von sich reden, den Petronas Towers in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur den Titel als höchstes Gebäude mit einem Superwolkenkratzer in Chicago abzujagen.

SZ: Mister Trump, markieren die Anschläge vom 11. September das Ende des Wolkenkratzers?

Donald Trump: Nein. Der Wolkenkratzer wird niemals sterben. Der Wolkenkratzer ist eine der wichtigsten Formen von majestätischer Größe, ein essenzielles Symbol für Macht und Stärke. Was mit dem World Trade Center geschehen ist, hat den extrem hohen Gebäuden sicherlich nicht geholfen. Aber der Wolkenkratzer an sich wird uns auch in Zukunft erhalten bleiben.

SZ: Muss man dann das Baukonzept von Wolkenkratzern neu überdenken?

Trump: Ich glaube, dass Gebäude solider gebaut werden müssen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann. Und ich glaube auch, dass man zumindest in naher Zukunft kaum irgendwelche Gebäude planen wird, die höher als 60 Stockwerke sind.

SZ: Warum gerade 60 Stockwerke?

Trump: Es scheint, dass Gebäude ab einer bestimmten Höhe eher zur Zielscheibe werden. Zumindest scheint das so seit dem Anschlag auf das World Trade Center. Davor hat man über solche Kriterien überhaupt nicht nachgedacht. Aber jetzt ist das eben alles anders. Deswegen glaube ich, dass der Trend, Superwolkenkratzer zu bauen, erst einmal abkühlen wird.

SZ: Kann man Gebäude von dieser Größe überhaupt so bauen, dass sie einen Angriff wie den am 11. September überstehen können?

Trump: Ich habe schon mehrfach gesagt, dass wir robustere Gebäude bauen müssen. Vor allem, wenn sie über eine bestimmte Höhe hinausgehen. So wie das World Trade Center konstruiert wurde, war es offensichtlich nicht sicher genug. Wir müssen in Zukunft wirklich höhere Maßstäbe anlegen.

SZ: Was bedeutet das in der Praxis?

Trump: Man muss verschiedene Arten von Stahl und vor allem viel mehr Beton benutzen. Wir müssen besseren Feuerschutz verwenden, damit der Stahl länger hält, bevor er nachgibt. Und wir müssen die Gebäude widerstandsfähiger konstruieren. Das World Trade Center hatte keinerlei innere Säulen. Hätte es im Inneren tragende Säulen gehabt, würde es wahrscheinlich heute noch stehen. Wie Sie wissen, waren das fast 5000 Quadratmeter große Stockwerke, die ohne Säulen von der äußeren Kante bis zum Kern verliefen. Vielleicht gibt es in Zukunft eben einfach keine solchen säulenfreien Räume mehr. Ich glaube nicht, dass Gebäude wie 40 Wall Street oder das Empire State Building so schnell zusammengebrochen wären wie das World Trade Center. Die alte Form säulengestützter Baustrukturen war eben robuster.

SZ: Berücksichtigen Sie das auch bei Ihren eigenen Projekten?

Trump: Oh ja. Ich beschäftige mich im Moment mit verschiedenen Bauvorhaben, und die betrachte ich jetzt schon anders als noch vor zwei, drei Wochen.

SZ: Werden Sie auch am Wiederaufbau von Downtown Manhattan beteiligt sein?

Trump: Ich werde natürlich mithelfen, Lower Manhattan wiederaufzubauen. Ich stelle dazu auch schon Überlegungen an. Aber was geschehen ist, ist so unfassbar schrecklich, es ist wahrscheinlich das Schlimmste, was diesem Land je zugestoßen ist, da muss man sich erstmal von den Ereignissen leiten lassen.

SZ: Kein einzelner hat die Skyline von New York so verändert wie Sie. Ist das nicht auch eine ganz persönliche Herausforderung?

Trump: Natürlich ist das eine große Herausforderung. Aber für uns alle. Unsere Stadt, dieses Land und die Freiheit haben sehr gelitten, aber wir werden das wieder hinkriegen. Ich habe noch nie eine solche Einigkeit gesehen, noch nie einen solchen Enthusiasmus, einen Neuanfang zu wagen. Übrigens wird New York schon bald stärker sein als je zuvor.

SZ: Sie haben auch daran gedacht, in Übersee zu bauen. Es gab schon Gespräche mit Frankfurts Bürgermeisterin Petra Roth. Und es gibt Meldungen, dass Sie in Berlin bauen. Haben Sie vor, diese Projekte weiterzuverfolgen?

Trump: Das ist durchaus möglich. Ich fühle mich Deutschland sehr nahe, weil ich starke deutsche Wurzeln habe. Mein Vater wurde ja in Bad Dürkheim geboren, er lebte lange in Baden-Baden.

SZ: Aber haben sich die Pläne schon konkretisiert?

Trump: Nein. Konkret ist da noch nichts.

SZ: In Deutschland gab es allerdings schon vor den Anschlägen vom 11. September erbitterte Gegner von Wolkenkratzerbauten. Glauben Sie, dass das Ihre Projekte verändern könnte?

Trump: Natürlich hat sich auch hier die Haltung der Leute nach dem 11. September verändert. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass man weiterhin großartige Gebäude bauen kann, ohne dass sie gleich zur Zielscheibe werden.

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