Rund die Hälfte des Geldes wurde dabei für Fernseh- und Radiospots ausgegeben. Rund 600 Millionen Dollar. Mehr als dreimal so viel, wie bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000. Das finanzierte rund 750.000 Spots - doppelt so viele wie vor vier Jahren. Beide Kandidaten gaben dabei ungefährt gleich viel Geld aus. Kerry 250 Millionen, Bush 240 Millionen. Der Rest des Geldes finanziert unter anderem Wahlkampfreisen, Telefonaktionen, Broschüren, Plakate und die massive Mobilmachung der Nicht- und Erstwähler.
Irgend jemand muss das natürlich alles bezahlen. Und weil die Wahlkampffinanzierung in den USA bis zu den jeweiligen Parteitagen erst einmal Aufgabe der Kandidaten selbst ist, fließt da viel privates Geld in die Politik. Das wird sehr genau beobachtet. So weiß das Center for Public Integrity bis auf den letzten Cent, wer von wem Wahlkampfspenden bekommen hat. Bush lag dabei am 13. Oktober mit 365,398,443 Dollar relativ knapp vor Kerrys 333,758,674 Dollar. Wer sich die Aufschlüsselung dieser Spenden ansieht, merkt schnell, welcher Kandidat welche Interessensgruppen vertritt.
Bush bezog den Löwenanteil seiner Spenden aus der Hochfinanz, sowie aus der Energiebranche. Kerry bekam vor allem Gelder von den Gewerkschaften und aus dem Gesundheitswesen. Beide Kandidaten wurden massiv von den Telefon-, Kabel- und Internetindustrie unterstützt, die sich angesichts unzähliger Gesetzes- und Urheberrechtsinitiativen Verbündete im Weissen Haus sichern will.
Denn wer spendet will dafür auch etwas haben. Nirgendwo ist das Lobbywesen so ausgeprägt wie in Washington D.C.. Spenden für Präsidentschaftskandidaten sind auch nur die Spitze des Eisberges. Milliarden werden aufgewendet, um jeden einzelnen Kongressabgeordneten für die Interessen der Industrie zu gewinnen. Gegen die 1,1 Milliarden Lobbydollar, welche die Kommunikationsindustrie in den letzten sechs Jahren ausgegeben hat, machen sich die drei Millionen Dollar für Kerry und Bush fast bescheiden aus.
Und dann waren da noch die massiven Dunkelziffern, mit denen beide Lager die neuen Wahlkampffinanzierungsgesetze umgingen. Die privaten Initiativen wie Moveon.org, Rock the Vote und die Swift Boat Veterans. Die Flut der Sachbücher und Dokumentarfilme. Die streitbaren Politikexperten in den Talkshows und die Demagogen der Talkradiosender. Denn 2004 war nicht nur der teuerste, sondern auch einer der boshaftesten Wahlkämpfe der amerikanischen Geschichte. Von politischer Apathie konnte jedenfalls keine Rede sein.
New York 01.11. ' 04 - Wer in den USA in einem der so umkämpften Swing States wie Florida, Ohio oder Pennsylvania lebt, der konnte sich in den letzten Wochen dem Wahlkampf kaum entziehen. Fernsehen und Radio sendeten pausenlos die neusten Botschaften der Kanidaten, Umfrageinstitute bettelten am Telefon um Volksmeinung, freiwillige Wahlhelfer klopften an die Türe. Das alles kostet Geld. Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar werden die Parteien und Organisationen bis zum heutigen Tage ausgegeben und somit den teuersten Wahlkampf aller Zeiten geführt haben.
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