Der Zeitpunkt des Manövers “Armada Patriota", das bis Mitte Juni dauern soll, fällt mit Manövern der US-Marine in der Karibik zusammen, an der unter anderem der Flugzeugträger USS George Washington, zwei U-Boote sowie 6.500 Truppen beteiligt sind. Zwar betonte Admiral Armando Laguna, die venezuelanischen Manöver seien schon lange geplant gewesen, doch Zweck der Übung ist die Verteidigung der venezolanischen Nordküste gegen eine mögliche Invasion durch die USA zu proben.
Auch sonst gebärdet sich der Linkspopulist Hugo Chavéz zunehmend undiplomatisch. Letzten Monat verstaatlichte er 32 private Ölkonzessionen, zu denen auch Förderlizenzen der französischen Total und der italienischen Eni gehören. Das staatliche Erdölunternehmen Petróleos de Venezuela SA (PDVSA) hat ausserdem Anleihen im Wert von 83 Millionen Dollar vom amerikanischen Markt weggekauft und Anfang April erklärt, dass es deswegen in Zukunft nicht mehr den Kontrollen der amerikanischen Aufsichtsbehörde Security and Exchange Comission unterliegen wird. Zusätzlich ist geplant, die Exporte in die USA zu drosseln. Stattdessen werden Gespräche mit Indien, China und dem Iran geführt.
Aus dem Freihandelsverbund der Andenstaaten CAN ist Venezuela schon vor Wochen ausgestiegen. Am vergangenen Samstag hat Chavéz mit Fidel Castro und dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales in Havanna einen Handelsverbund sozialistischer Länder mit dem Kürzel Alba gegründet, der Widerstand gegen den Einfluss der USA in Lateinamerika leisten will. Erste Maßnahme des Verbundes - am Montag hat Evo Morales nach Chavéz Vorbild sämtliche Öl- und Erdgasressourcen Boliviens verstaatlicht, ausländischen Firmen angedroht, dass sie sein Land verlassen müssen, wenn sie sich nicht an die neuen Vorschriften halten, und die Armee zum Schutz der Ölfelder abkommandiert.
Trotz des vom CIA unterstützten Putschversuches gegen Chavéz vor vier Jahren, streiten die USA ab, einen Regierungswechsel in Venezuela anzustreben oder eine Invasion zu planen. Bei einem Auftritt im Presseclub von Washington hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld allerdings vor wenigen Wochen gesagt: “Chavéz wurde genauso rechtmässig gewählt, wie Hitler rechtmässig gewählt wurde, dann hat er genauso die Macht konsolidiert und jetzt arbeitet er eng mit Fidel Castro und Morales zusammen. Das macht mir Sorgen."
Wegen seiner linkspopulistischen Politik und seinem ausgesprochenen Antiamerikanismus ist Hugo Chavéz der Liebling europäischer und amerikanischer Linker. Venezuela ist derzeit das beliebteste Ziel für jene Sorte Polittouristen, die in Lateinamerika “Sandalistas" genannt werden, und früher gerne nach Kuba, Nicaragua oder Chiapas gereist sind.
In Venezuela selbst hat sich Chavéz vor allem mit Bildungs- und Wohnungsprogrammen für die Unterschichten beliebt gemacht. Eine Lichtgestalt ist der ehemalige General allerdings nicht. Nach dem Putschversuch und den Generalstreiks der Opposition hat er die Meinungsfreiheit de facto abgeschafft. Kubanische Militärs helfen Venezuela seit einiger Zeit, interne Abhöranlagen einzurichten. Im Westen des Landes gewährt Venezuela der kolumbianischen Drogenguerilla Farc Unterschlupf, deren Führungsmitglieder zum Teil mit venezuelanischen Papieren ausgestattet werden. Außerdem hat er in ländlichen Gebieten zivile Bürgerwehren mit Waffen ausgesattet. Solche Maßnahmen waren in Lateinamerika meist der erste Schritt in eine von Todesschwadronen gestützte Militärdiktatur.
New York 02.05. '06 -
Nachdem sich die Stimmung zwischen Venezuela und den USA in den letzten Monaten rapide verschlechterte, sind die beiden Länder nun zum offenen Säbelrasseln übergegangen. Diese Woche beginnen die venezuelanischen Streitkräfte eine groß angelegte Militärübung, für die insgesamt 13.500 Truppen und zivile Einsatzkräfte, sowie F-16-Kampfflugzeuge, Hubschrauber und die Kriegsmarine mobilisiert werden. Gleichzeitig rüstet Venezuela auf. Mit Russland hat Venezuela Verträge über die Lieferung von 100.000 Kalaschnikowgewehren mit 34 Millionen Schuss Munition sowie 33 Militärhubschraubern abgeschlossen.
Eine zweite Truppenübung, an der die USA ebenfalls beteiligt sind, wird in Caracas ebenfalls mit Sorge gesehen - das Nato-Manöver “Caribbean Lion". Vom 23. Mai bis zum 15. Juni sollen 4.000 Soldaten aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Kanada und den USA auf den Inseln Curaçao und Guadalupe gemeinsame Übungen veranstalten. Das Manöver gilt als Warnschuss der Nato, nachdem Venezuelas Präsident Hugo Chavéz angedeutet hatte, die Kontrolle über die niederländischen Karibikinseln Aruba, Bonaire und Curaçao übernehmen zu wollen. Dabei hatte er die niederländische Regierung als “Washingtons Lakaien" beschimpft, die den USA erlaubten auf den nur 40 Kilometer vor der venezuelanischen Küste entfernten Inseln Militärstützpunkte einzurichten, die von dort aus Venezuela angreifen wollten.
Chavéz kann sich die Provokationen und Alleingänge leisten. Nachdem im Orinocobecken neue Ölfelder entdeckt wurden, ist Venezuela noch vor Saudi-Arabien und Kanada das Land mit den weltweit größten Rohölvorkommen. Schon vorher war Venezuela der fünfgrößte Ölexporteur. Die USA beziehen zum Beispiel 15 Prozent ihres Rohöls aus Venezuela.
Auch Chavéz findet immer deutlichere Worte für die USA. Ende März hielt er eine Rede, die inzwischen von Linken in aller Welt als Internetvideo verteilt wird. “Sie sind ein Esel Mister Bush", sagt er da, gefolgt von einer Tirade, in der er den amerikanischen Präsidenten als Ignoranten, Trunkenbold und Völkermörder beschimpft. “Sie sind ein Feigling. Warum gehen Sie nicht in den Irak und kommandieren Ihre Armee? Sollten Sie jemals auf die verrückte Idee kommen, Venezuela anzugreifen, werden ich in dieser Savanne hier höchstpersönlich auf Sie warten." Letzte Woche drohte Chavéz dann bei einem Treffen südamerikansicher Staatschefs: "Wenn Venezuela angegriffen wird, werden wir wie die Iraker unsere eigenen Ölfelder in die Luft jagen"."
"You are a donkey, Mister Bush...."
Den Dokumentarfilm “Hugo Chavéz The Revolution Will Not Be Televised³ ansehen:
Teil 1 von 8 ... Teil 2 ... Teil 3 ... Teil 4 ... Teil 5 ... Teil 6 ... Teil 7 ... Teil 8
Zurück zum Inhalt