Prinzipiell geht es auch diesmal darum, Darwins Gesetze von der natürlichen Auslese durch gesellschaftliche Extremsituationen zu dramatisieren. Durch die Auswahl von Kandidaten, die dem Durchschnitssbürger wegen ihrer Schönheit, ihrem Geld oder ihrem Ruhm besonders beneidenswert erscheinen, kann man dann die Schadenfreude des Publikums zu Quotenschlagern hochkitzeln. “The Apprentice" steigert die Reizschwelle allerings noch einmal erheblich, denn die 16 Kandidaten rekrutieren sich nicht aus dem üblichen Heer der hübschen, reichen oder bekannten Idioten, sondern aus jener Elite der Besten und Klügsten des Landes, die normalerweise von Eliteuniversitäten und Fortune-500-Firmen umworben werden. Sie haben Betriebswirtschaft studiert, promoviert, ihre ersten Millionen gemacht oder sind auf den Karriereleitern schon ein ganzes Stück weit gekommen. Ziel des Wettbewerbs ist natürlich, die jungen Ehrgeizlinge dazu zu bringen, ihre Krallen auszufahren. Für diese soziale Raubtiernummer hätten die Produzenten keinen besseren Dompteur finden können, als Donald Trump.
So klingt der gute Rat, den Donald Trump seinen Kandidaten mit auf den Weg gibt, nach dem klassischen Sozialdarwinismus der Business Schools. “Wenn Dir einer querkommt, zahl's ihm doppelt heim", sagt er da zum Beispiel. Und die Kandidaten nehmen sich das zu Herzen.
Es geht in der Sendung ja auch um einen wirklich großen Preis. Der Gewinner darf ein Jahr lang für Donald Trump einen Firmenzweig leiten und bekommt dafür auch noch ein Gehalt von 200.000 Dollar. Daher der Name “The Apprentice", was auf deutsch so viel heißt wie Lehrling. Und damit sie auch das große Ziel ihres Lebens nicht aus den Augen verlieren, dürfen sie Herrn Trump zu Hause besuchen. Der residiert in zwei Stockwerken seines Trump Towers voller massiv goldener Armaturen und Kristalleuchter die den dezenten Charme eines Spielkasinos verströmen.
Die Kandidaten waren allerdings beeindruckt. So wollen sie auch einmal wohnen. In der ersten Folge mußten sie noch eine demütigende Schulaufgabe lösen und auf der Straße Limonade verkaufen. Die nach Geschlechtern getrennten Teams schlugen sich nicht schlecht. Sie hatten auch gut aufgepaßt. “Wenn Du mir blöd kommst zahl ich's dir zehnfach heim", drohte einer der ännlichen Kandidaten. Vergeblich. Das Team der Frauen gewann mit 700 Dollar Vorsprung. In der zweiten Folge müssen die Kandidaten schon eine Werbekampagne für Business Jets konzipieren. Das Siegerteam darf dann mit so einem Jet zum Dinner nach Boston fliegen.
Wie bei allen Reality Shows läßt sich auch das Grundprinzip der neuen Reality Show des amerikanischen Fernsehsender NBC “The Apprentice" in einem Satz zusammenfassen. 16 Kandidaten müssen sich bei dem New Yorker Immobilienhai Donald Trump als findige Geschäftsleute beweisen, der in jeder Sendung einen von ihnen feuert. Das unterscheidet sich nur geringfügig von Sendungen wie “Survivor", “Fear Factor" oder “The Bachelor". Statt durch den Dschungel kämpfen sich die Kandidaten eben durch den Moloch New York. Statt Geschicklichkeitsaufgaben zu bestehen, müssen sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld erwirtschaften. Verlierer werden nicht vom Moderator, sondern von Trump persönlich in der Chefetage abserviert. Produziert hat Mark Burnett, der mit “Survivor" die bisher erfolgreichste amerikanische Reality Show produziert hatte.
In den USA ist der milliardenschwere Immobilienhai schon seit den 80er Jahren ein Medienstar mit legendärer Profilneurose. Sein Markenzeichen ist die strohige, blonde Mähne, die wie ein Toupet um seinen massigen Schädel herumgeföhnt ist. Seinen schlechten Geschmack hat er aber auch als Bauherr oft genug bewiesen. Der Trump Tower an New Yorks Nobelmeile der 5th Avenue ist ein Scheusal aus rosa Marmor, braunem Rauchglas und Messingbeschlägen. In der Glücksspielstadt Atlantic City stellte er eine bonbonfarbene Kopie des Taj Mahal an den Strand. Dazu kommt seine schon sprichtwörtliche Skrupellosigkeit. Gleich neben das Hauptquartier der Vereinten Nationen stellte er mit dem Trump International Tower einen schwarzen Glasmonolith, der den Diplomaten seither schon am frühen Nachmittag das Tageslicht raubt. Und an der Upper Westside setzte er einen Appartmentkomplex knappe zwei Meter vor die Fenster der alteingesessener Eigentumswohnungsbesitzer, die vergeblich klagten und nun statt auf den Hudson River auf eine Brandmauer blicken.
Zwölfeinhalb Millionen Fernsehzuschauer waren so begeistert, dass sie “The Apprentice" in die Top 5 des umkämpften Donnerstagabends katapultierten. Zu recht. “The Apprentice" ist geschliffener produziert und vergnüglicher angesehen, als die meisten anderen Reality Shows. Der enorme Druck führt bei den Kandidaten zu wunderbar hysterischen Reaktionen. Und wo sonst bekommt man die finstere Realität des kapitalistischen Alltags schon so unverfälscht serviert? Da haben die Nachrichtensender wie CNN derzeit allerdings einen erheblichen Vorsprung. Da laufen derzeit die Berichte über die Gerichtsverhandlungen gegen die Betrüger aus der Konzernzentrale von Enron, die die Altersversorgung ihrer Belegschaft durchgebracht haben. Dagegen wirkt die Ellenbogenmentalität der Trumpsendung wie harmloses Sandkastengerangel.
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