Doch weiß man nicht spätestens seit John Lennons rosa Rolls Royce, dass Rockstars teure Autos mögen? Selbst der Wille zur Werbung, hat seit 1970 Tradition, als die Musiker der Doors “Light My Fire" an Buick verkauften. Auch wenn sich damals noch Doorssänger Jim Morrisson selbst darüber aufregte und drohte, im Fernsehen einen Buick zu zertrümmern. Inzwischen ist die Symbiose aus Rock und Autowerbung so weit gediehen, dass die neue Mitsubishi-Kampagne bisher unbekannte Briten wie die Wiseguys und Dirty Vegas in die US-Charts hievte.
Mindestens so gerne wie Autos mögen Rockstars große Summen Geldes. Neu ist allerdings ihr enges Verhältnis zur Hochfinanz. Da durfte Jon Bon Jovi die Schlußglocke der New Yorker Börse schlagen. Und die Stones machen ihren Fans im New York Magazine derzeit ein eindeutiges Angebot. Wer bei der Onlinebank E*trade mindestens eine Viertelmillion Dollar auf ein Aktienkonto einbezahlt, der bekommt zwei VIP-Tickets für ein Konzert der ausverkauften US-Tournee, sowie Polohemd, Briefbeschwerer und einen Halliburton-Attachékoffer, die mit dem berühmten Lippenlogo der Stones verziert sind. War der Koffertyp ironische Absicht? Schließlich ist Halliburton auch der Name jenes Energiekonzerns, bei dem der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender nicht nur millionenschwere Buchhaltungsfinten verantwortete, sondern auch den Bau einer Ölpipeline durch Afghanistan verhandeln ließ. Wer nun bei der Überweisung seines sechsstelligen Obolus immer noch nicht den Refrain von “Sympathy for the Devil" summt, der wird im Kleingedruckten der Anzeige lapidar darüber informiert, dass E*trade-Einlagen bei der Aufsichtsbehörde der Banken leider nur bis zu 100.000 Dollar versichert sind. Damit allerdings polieren die Stones nur ihr Rebellenimage auf. Denn in Zeiten epidemischer Dotcompleiten umweht Internetinvestitionen ein ähnlich schicker Nihilismus wie Punk.
Neulich echauffierte sich die New Yorker “Village Voice" über die Punklegenden von The Clash. Die haben nicht nur ihren Song “Should I Stay Or Should I Go" an den Schnapsbrenner Stolychnaya verkauft, der damit eine alkoholhaltige Limo bewirbt, die amerikanische Teenies schon früh an die Spritmarke gewöhnt. Nein, sie haben auch noch “London Calling" an Jaguar lizensiert, dieses ultimative Symbol britischen Oberschichtendünkels.
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