Donna Summers Hymne an den heißen Stoff “Hot Stuff" für Äthiopien war dann schon ein olympischer Insiderwitz, nachdem der einzige äthiopische Athlet gerade wegen des Verdachtes suspendiert wurde, dass er unzulässige Substanzen verwendet hat. Dagegen war Dan Hartmans “Relight My Fire" für Frankreich schon wieder ganz offensichtlich, schließlich fürchtet man dort zu Recht, dass es in den Banlieues wieder brennen könnte. Für den Einmarsch von Indien gab es dann “Funkytown", was in den 70ern zwar “schicke Stadt" bedeutete, wörtlich übersetzt aber “Drecksstadt" heißt, was definitiv als Beledigigung zu verstehen ist, schließlich gilt Kalkutta unter Urbanisten schon seit der an diesem Abend reichlich zitierten Disco-Ära als Synonym für die Verslummung der Städte.
Irgendwo beim Buchstaben “I" muss die Veranstaltungsleitung die bedeutungsvollen Discohits dann auch bemerkt haben, denn danach waren die Anfänge der Songs nicht mehr auf den jeweiligen Einmarsch einer Nation abgestimmt. Später gab es füNewr die USA und Südafrika zwar noch Aretha Franklins “Freedom" und für den einsamen Olympioniken aus Thailand Barry Whites "You're The First, The Last, My Everything". Aber das war schon nicht mehr der subtil perfide Humor, mit dem die Nationen von A bis I beschallt wurden.
New York 12. 02. '06 - Haben Sie's bemerkt? Der Discjockey, der die Musik für den Einmarsch der Nationen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten in Turin auflegte, bewies ungewöhnlichen Humor. Als er beim Auftritt von Belgien Michael Jackson spielte, dachte man noch an einen geschmacklosen Zufall. Was können die Belgier schon dafür, dass die einzige Nachrichtengeschichte, mit der das Land in den letzten Jahren für internationale Schlagzeilen sorgte, der Fall Marc Dutroux war, wobei der Vergleich eines Kindermörders mit dem vom Verdacht des Befummelns kleiner Jungs freigesprochenen Jackson doch eher bösartig war. Doch spätestens als zum Einmarsch Dänemarks Santa Esmeraldas “Don't Let Me Be Misunderstood" erklang, war klar, dass es sich hier um keine Zufälle handeln konnte, denn welches Land fühlt sich derzeit so missverstanden, wie unsere skandinavischen Nachbarn.
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