Natürlich ist es auch in einem Viking noch ein Abenteuer, bei rund 240 Stundenkilometern Anfluggeschwindigkeit mitten im Ozean auf einem Flugfeld von der Größe eines Fußballplatzes zu landen und mit einem Drahtseil am Heck innerhalb von wenigen Metern auf Null zu bremsen. Das fühlt sich an, als würde man sich in einem Fernsehsessel aus dem ersten Stock werfen lassen - gut gepolstert, aber ruppig. Kein Wunder also, dass der Präsident gleich nach der Landung ein wenig zu breitbeinig in seinem Pilotenanzug auf dem Deck herumstolzierte.
Nun hat George W. Bush keine außerirdischen Horden besiegt und die Welt gerettet, sondern lediglich einen Schurkenstaat erobert. Trotzdem eignete sich die Kulisse des Flugzeugträgers bestens, denn die Navy ist sich der imperialen Geste ihrer Schlachtschiffe sehr wohl bewußt. Bei einem früheren Besuch auf der Lincoln hatte der Presseoffizier der Navy das Schiff als “Superwaffe für die Zeit der Konflikte mit niedriger Intensität" angepriesen. Nach dem Ende des atomaren Gleichgewichts entscheide wieder das Machtmittel der Seehoheit über die Vorherrschaft. Wie der damalige Kapitän Robert Willard stolz erzählte, reicht es da oft aus, gut sichtbar vor einer Küste herumzukreuzen, um eine rebellische Nation zum Einlenken zu bewegen.
NYC 02.05.'03 - Wußte George W. Bush, dass sich ausgerechnet ein Deutscher das Bild ausgedacht hatte, mit dem er am Donnerstag seinen Sieg über den Irak feierte? In dem Film “Independence Day" ließ der Regisseur Roland Emmerich seinen Präsidenten aus einem F-18 Kampfjet steigen, mit dem er gerade höchstpersönlich ein paar Außerirdische aus dem Firmament geschossen hatte, um dann eine Siegesrede zu halten, die selbst hartgesottenen Actionfans die Tränen in die Augen trieb. Auch Bush wollte gerne mit einem F-18 auf dem Flugzeugträger U.S.S. Abraham Lincoln landen. Aber weil der Secret Service keinen Spaß versteht, wenn es um die Sicherheit seines Schützlings geht, durfte er nur in einem stupsnasigen Viking mitfliegen, der normalerweise als Aufklärer und Tanker eingesetzt wird.
So gleicht die Weltmacht USA eher dem britischen, als dem römischen Imperium. Doch ausgerechnet ein verbündeter Brite profiliert sich da als Spielverderber. In seinem Bestseller “Empire: The Rise and Demise of the British World Order and the Lessons for Global Power", schreibt der Oxford-Historiker Niall Ferguson, es reiche für eine wahre Weltmacht nicht aus, Länder nur zu erobern. Engagierte Eliten müßten sich über Jahrzehnte hinweg vor Ort mit den Ländern auseinandersetzen, ihre Sprachen und Gebräuche lernen, um sie dann zu wertvollen Mitgliedern einer imperialen Gemeinschaft zu erziehen. Dazu habe Amerika aber weder die Geduld noch die Vision. In einem sind die USA jedoch unschlagbar - in Bildern, die die Welt versteht. Vor allem wenn man sie schon einmal gesehen hat.
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