So wurde die exemplarische Pazifistenfamilie des Ehepaares Tim Robbins und Susan Sarandon vor der Vanity Fair Party gesichtet, wie sie sich in einen Prius mit Chauffeur zwängte, während wenige Schritte weiter die Kinder gewichtiger Hollywoodproduzenten in eine verlängerte Limousinenversion des Hummer kletterten. Charlize Theron, Sting und Robin Williams fuhren jeweils in einem Prius vor den roten Teppich. Und natürlich Leonardo di Caprio, der von jeder neuen Prius-Ausgabe gleich vier kauft, um sie an Freunde und Verwandte zu verschenken. Die stadtbekannten Hummerfahrer schienen sich jedoch zu schämen - Adrien Brody, James Earl Jones und Gouverneur Schwarzenegger ließen sich in konventionellen Limousinen durch die Nacht der Nächte kutschieren. Denn ein bißchen declassé ist so ein Entré mit Vierradantrieb dann doch. Seit einiger Zeit umgibt die Geländewagen ein wenig der Ruch des schnellen, neuen Geldes aus dem Hip Hop und dem Sport.
Kulturkämpfe sind vor allem in Wahljahren eine wunderbare Möglichkeit, Flagge zu zeigen, ohne gleich relevante Themen debattieren zu müssen. In Kalifornien wird ein solcher Kulturkampf derzeit hinter dem Steuer ausgetragen. Wer was für einen Wagen fährt ist dort nicht mehr nur eine Frage des Ansehens, sondern auch der Gesinnung. Nun war der Autokauf schon immer eine Glaubensfrage, die sich meist erst dann erledigte, wenn man den Sportwagen aus familiären Gründen gegen einen praktischen Kombi eingetauscht hatte. Um solche Banalitäten müssen sich Hollywoodstars mit ihren privaten Fuhrparks allerdings nur selten scheren, weswegen die Boulevardmedien und sogar die New York Times vermeldeten, dass die Autofrage die Reichen, Schönen und Berühmten bei den diesjährigen Oscars in zwei hochideologisierte Lager teilte.
Zwei Modelle stehen für diesen Kulturkampf. Der Toyota Prius, ein Auberginenförmiger Hybridwagen mit gemischtem Elektro- und Benzinantrieb, der nur 4 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Und der Hummer, jenes überdimensionierte Infanteriefahrzeug mit rund 30 Litern Benzinverbrauch, das die Firma General Motors für den zivilen Einsatz umgerüstet hat. Da treffen protestantische Vernunft und barocke Lebenslust, progressiver Liberalismus und rebellischer Konservatismus, Independentfilmer und Actionstars, ja sogar Tauben und Falken aufeinander.
Aus europäischer Sicht scheint diese Debatte etwas frivol. Dazu muß man wissen, dass Amerika schon stöhnt, wenn Benzin zwei Dollar pro Gallone kostet, was einem Literpreis von rund 40 europäischen Cents entspricht. Dazu kommt, dass Geländewagen in den USA steuerrechtlich als Kleinlaster gelten und somit erheblich weniger Abgaben anfallen. Bushs einstiger Pressesprecher Ari Fleischer deklarierte den Benzinverbrauch einst als Grundrecht amerikanischer Bürger. Nach dem 11. September galten Geländewagen sogar als Zeichen eines trotzigen Patriotismus, der sich vom Terrorismus aus den Ölstaaten nicht unterkriegen läßt. Der Drang zum Benzinsparen gilt in Amerika eher als exotische Weltsicht europäischer Gutmenschen. Bei einer der letzten (vergeblichen) Versuche im Kongreß, Schadstoffemissionen gesetzlich zu begrenzen, hob ein Abgeordneter der Republikaner eine Bildtafel in die Höhe, die einen Smart zeigte, und stellte die rhetorische Frage, ob sich die werten parlamentarischen Kollegen denn in so einem Auto sehen lassen würden. Da mußten selbst die Debattengegner lachen.
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