Der American Council of Trustees and Alumni ACTA veröffentlichte einen Bericht mit dem Titel “Wie unsere Universitäten Amerika im Stich lassen und was wir dagegen tun können", in dem 117 Fälle von unpatriotischen Bemerkungen von Akademikern verzeichnet werden. Unter Akademikern ist der ACTA schon lange gefürchtet. 1994 als National Alumni Forum gegründet, unterstützt der Verein vor allem Initiativen konservativer Gouverneure, politisch genehme Trustees einzusetzen, also Mitglieder von Universitätsvorständen, die in Amerika nicht nur die Ausbildungsrichtlinien und -maßstäbe festsetzen, sondern auch die Direktoren der Institute und Fakultäten bestimmen. Mit einem ständig wachsenden Budget von derzeit 2,9 Milliarden Dollar ist der ACTA die finanzstärkste Quelle privater Gelder für akademische Institutionen in den USA. Als einer der Vorsitzenden des ACTA fungiert derzeit Lynne Cheney, Ehefrau von Vizepräsident Dick Cheney.
Lynne Cheney machte sich schon unter Ronald Reagan als Vorsitzende des National Endowment of Humanities für die konservativen Wissenschaften stark. Sie versuchte vor allem die National History Standards auf konservative Linie zu bringen, weil diese nicht nur die Lehrpläne, sondern auch die offizielle Geschichtsschreibung bestimmen. Während der 90er Jahre stilisierte sich Lynne Cheney dann zur Freiheitskämpferin gegen die Unterdrückung der Political Correctness.
Der Bericht des ACTA schürt nun eine Stimmung, vor der schon im Aufruf des Center for Economic Research and Social Change gewarnt wurde. So haben die Trustees der City University of New York kritische Akademiker bedroht und angegriffen, die sich bei einem Teach In Anfang Oktober gegen die amerikanische Außenpolitik aussprachen. Ähnliche Fälle wurden von der University of Texas in Austin, vom Masssachussetts Institute of Technology MIT und von der University of North Carolina in Chapel Hill gemeldet.
Viele prominente Namen finden sich auf der Liste des ACTA. Reverend Jesse Jackson zum Beispiel, der es gewagt hatte bei einer Rede an der Harvard Law School anzumerken, dass Amerika “Brücken und Beziehungen, und nicht nur Mauern und Bomben bauen" sollte. Joel Beinin, Professor für Nahostgeschichte an der Stanford University wurde für seine Forderung aufgeführt, Osama Bin Laden vor ein internationales Tribunal zu stellen. Wasina Alikhan von der Islamic Academy of Las Vegas wurde für ihre Bemerkung “Ignoranz schafft Haß" aufgeführt. In den nächsten Wochen wollen die Autoren des Berichts Jerry L. Martin und Anne D. Neal das Papier an rund 3000 Trustees von Universitäten im ganzen Land verschicken.